Sächsische Tradition am Reinhardswald

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Pulsnitz, 08.01.2014:

Alfred Thieme, Inhaber der Blaudruckwerkstatt, ist zum Jahreswechsel in den wohlverdienten Ruhestand mit fast 70 Jahren gegangen. Am 27. Dezember war die Schlüsselübergabe in der historischen Werkstatt auf der Bachstraße 7 an die neuen Besitzer.
 
Vorerst bleibt die Werkstatt vorübergehend zur Einarbeitung und baulicher Veränderungen geschlossen. Trotzdem können Anfragen und Kundenbestellungen unter der bekannten Nummer 03 59 55/7 38 73 aufgegeben werden. Die Kollektion mit den historischen Motiven und nach individuellem Kundenwunsch bleibt weiterhin im Angebot.
 
Alfred Thieme und seine Partnerin Hannelore Wentzke freuen sich, dass sich mit Richard Nätebusch und Cordula Reppe Nachfolger gefunden haben, die das Traditionshandwerk in Pulsnitz erhalten wollen.

erschienen am 08.01.2014 (er)
© Sächsischer Bote Wochenblatt Verlag GmbH

Sortiment

 

TIPP: Waschen Sie die Erzeugnisse gesondert! Beim ersten Waschvorgang geht viel Farbe ab.

Weichen Sie den Blaudruck das erste mal in reichlich lauwarmen Wasser ein.

Schweifen und winden Sie danach ordentlich aus und waschen Sie bei 40°C.

 

Blaudruckgeschichte

Der Blaudruck wird 1689 erstmalig in einer Augsburger Chronik erwähnt. Die Werkstatt in Pulsnitz ist seit 1739 nachweisbar. Das älteste erhaltene Motiv der Werkstatt "Josua und Kaleb" gestaltete Samuel Stein 1720 als Gesellenstück.

Gesellenstück von Samuel Stein 1720

Josua und Kaleb zählten zu den Kundschaftern, die von Moses ausgesandt worden waren, um Kanaan zu erkunden, und eine riesige Weintraube aus dem Tal Eschkol mitbrachten. Die Darstellung der an einem Stab zwischen Josua und Kaleb hängenden Traube wird in der christlichen Kunst meist "Kundschafter mit der Traube" genannt und gilt als Symbol des Überflusses.

Josua und Kaleb

Gerhard Stein hat als Nachfahre der alten Blaudruckerfamilie 1946 die Blaudrucktradition fortgesetzt. Heute wird die Firma von Alfred Thieme geleitet.

Wer in die Werkstatt schaut, fühlt sich 250 Jahre zurück versetzt. An großen Drucktischen werden die Baumwoll- oder Leinenstoffe mit Modeln bedruckt.

Modeln sind Holzformen, die entweder geschnitzt oder mit feinen Messingstiften und -blechen bestückt, das jeweilige Muster ergeben. Die Model werden in den "Papp" eingetaucht und dann auf den Stoff gepresst. Diese Stellen werden nicht mit Indigo eingefärbt.

Nach einem langwierigen Färbprozess in großen Bottichen (Küpen) wird der "Papp" wieder entfernt und das weiße Motiv des Stoffes erscheint auf dunkelblauem Grund. Die vielfältigen Muster werden sichtbar. Über 1.000 Model, teilweise über 100 Jahre alt, stehen zur Verfügung.

Arbeitsfläche

Die Pulsnitzer Werkstatt als vermutlich älteste noch in Deutschland arbeitende Manufaktur zeigt den originalen Blaudruck unverfälscht in seiner ursprünglichen Tradition mit einer breiten Mustervielfalt.

Der Blaudrucker Alfred Thieme stellt nach lang jähriger Pause wieder das sogenannte Hungertuch her. Es verkörpert eine uralte Tradition. Ursprünglich hingen die Hungertücher in schlechten Zeiten in der Kirche über der Kanzel, um zu mahnen.

Der Spruch hat seine Richtigkeit leider oft genug bewiesen. Und wurde nie vergessen.

Größe: 80 cm x 110 cm

Hungertuch

„Armut schafft Demut,

Demut schafft Fleiß,

Fleiß schafft Reichtum,

Reichtum schafft Übermut,

Übermut schafft Krieg,

Krieg schafft Armut.“

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